Psychotherapie in der Praxis

Ab Mitte Oktober 2022 nehmen ich an der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung in der Region Kassel teil. Für Interessierte werden im Folgenden kurz die Störungsbilder nennen, bei denen ich helfen kann, eine grobe Übersicht über den Therapieverlauf geben sowie über Kosten, Risiken und Nebenwirkungen aufklären.

 

Hierbei können wir helfen

Psychotherapeuten beschäftigen sich mit Erkrankungen der Psyche sowie mit Beschwerden, die sich aus dem Zusammenspiel von Körper und Psyche ergeben. Diagnosen orientieren sich am fünften Kapitel der ICD-10 (Internationale Klassifikation der Krankheiten). Dennoch fallen nicht alle Diagnosen in das Behandlungsspektrum eines ambulant arbeitenden Therapeuten. In den ersten Sitzungen wird gemeinsam geprüft, welches Problem vorliegt und ob wir Ihnen weiterhelfen können oder weiterführende, andere Angebote sinnvoller erscheinen.

Wir können Ihnen helfen bei:

  • Störungen der Stimmungslage (Depression, bipolare Störungen, Dysthymie etc.)

  • Angsterkrankungen (Panikattacken, sozialen Ängsten, Krankheitsängsten etc.)

  • Zwangserkrankungen (Zwangsgedanken und/oder Zwangsverhalten)

  • Belastungsreaktionen (Posttraumatische Belastung, Anpassungsstörungen)

  • somatoforme Beschwerden (Schmerzstörungen, körperliche Beschwerden unklarer Herkunft)

  • Essstörungen (Anorexie und Bulimie bei ausreichend hohem Body-Mass-Index, Binge-Eating)

  • sexuellen Funktionenstörungen und Schlafstörungen

  • nicht-stoffgebundenen Verhaltenssüchten (Glücksspiel, Pornografie etc.)

  • sogenannten "Persönlichkeitsstörungen" (grob reduziert: seit langem bestehenden, überdauernde Muster schwieriger zwischenmenschlicher Beziehungen)

  • Sucht (bei nachgewiesener Abstinenz bis spätestens zur zehnten Sitzung)

Weitere Informationen und Hintergründe zu psychischen Beschwerden finden Sie hier.

 

Ablauf einer Psychotherapie

Psychotherapie gliedert sich in Phasen, die sich über das durch die Krankenkasse bewilligte Behandlungskontingent erstrecken.

 

Am Beginn stehen hierbei zunächst Sprechstunden- sowie probatorische Sitzungen. In dieser Phase findet die psychologische Diagnostik im Gespräch (Anamnese) sowie mittels spezieller psychometrischer Tests statt. Es werden Ihre Lebensgeschichte und weitere relevante Daten sowie Ursachen, die zur Problemdefinition beitragen können, erhoben.
Außerdem sollte geprüft werden, ob Sie den vereinbarten Behandlungsplan, der zur Erreichung Ihrer Therapieziele notwendig ist, umzusetzen wollen oder lieber vom Therapiebeginn absehen möchten. Letztlich sollte bis dahin auch deutlicher sein, ob eine ausreichend tragfähige Arbeitsbeziehung mit Ihrem Therapeuten hergestellt werden konnte. Beides ist für eine gute Prognose wichtig.

Dann beginnt (formal) die Therapie, in der Ihnen zunächst Ihr Problem bewusst und verständlich gemacht wird. Die sogenannte Psychoedukation umfasst die Lehre über störungsübergreifende Zusammenhänge (beispielsweise: Was ist der Unterschied zwischen Gefühlen und Gedanken?), störungsspezifisches Wissen (beispielsweise: Wie entsteht eine Panikattacke?) und idiosynkratische (persönliche) Faktoren (beispielsweise: Wie hat diese besondere Beziehung mein Problem mit bedingt?). Auch wenn diese Einblicke schmerzlich sein können, hilft das Verstehen des Problems dabei, Hoffnung für die Bewältigung zu schöpfen.

Ist das Problem klar(er), werden alternative/hilfreiche Gedanken reflektiert und formuliert. Häufig können dabei Alltagserfahrungen, in denen das Problem aufgetreten ist, eingebunden und vor dem erweiterten Verständnishorizont anders betrachtet werden. Auch wenn in den Sitzungen selbst emotionsaktivierende Übungen stattfinden können, lässt die “gefühlte” Verbesserung meist etwas auf sich warten. Wir können leider keine Erleuchtungsmomente oder heilsbringende Eingebungen à la Archimedes (“Heureka”) anbieten, glauben jedoch fest an eine deutliche Besserung bei Übernahme der Verantwortung für das eigene Leben.

Schließlich kommt es dann zu einer Veränderungsphase, in der spezielle Übungen gemacht werden sollten oder konkrete Verhaltensänderungen und -experimente geplant und umgesetzt werden. Bei diesen Schritten werden Sie begleitet. Das Veränderungsprogramm wird kontinuierlich reflektiert und gegebenenfalls angepasst. Langfristig fühlen Sie sich damit auch außerhalb der Therapie und trotz unveränderbarer widriger Umstände besser.


Zum Abschluss einer Therapie werden Frühwarnzeichen wiederholt, kritische Situationen vorbesprochen und ein Werkzeugkoffer gepackt, der Ihnen im Fall einer erneuten Verschlechterung Hilfe zur Selbsthilfe sein soll.

 

Kosten

Als Sachleistung der Krankenkassen, deckt Ihr gesetzlicher Versicherungsschutz die Kosten für eine Psychotherapie ab. Die Kassen zahlen dabei maximal 80 Sitzungen (kognitive) Verhaltenstherapie.
Privat Versicherte sollten sich vor dem ersten Gespräch bei ihrer privaten Krankenversicherung informieren, welche Leistungen in welchem Umfang erstattet werden.
Als Selbstzahler tragen Sie die Kosten für jede Sitzung selbst. Hierbei orientieren sich die Beträge an der Gebührenordnung für psychologische Psychotherapeuten (GOP).

Ausfallhonorar

Es ist üblich, dass zu Beginn einer psychotherapeutischen Behandlung ein Behandlungsvertrag zwischen Ihnen und dem Therapeuten gemacht wird. Darin wird unter anderem geklärt, dass Sitzungen, zu denen Sie kurzfristig nicht kommen können, von Ihnen finanziell kompensiert werden müssen. Die Höhe des Ausfallhonorars und die zeitliche Frist, bis zu der eine Absage eingegangen sein sollte, regelt der Vertrag.

 

Voraussetzungen und (Neben)-Wirkungen

Motivation

Für das Gelingen einer Psychotherapie ist Ihr Einsatz erforderlich. Dies bedeutet, dass Sie motiviert genug sind, um in der Regel einmal pro Woche für mindestens 50 Minuten an einer Therapiesitzung teilzunehmen. Darüber hinaus ist eine Auseinandersetzung mit den Inhalten auch außerhalb der Sitzungen wichtig. So können beispielsweise spezielle Übungen geplant werden, die Sie dann selbstständig umsetzen sollten. Außerdem kann es ratsam sein, gewisse Begleitliteratur zu lesen, Videos zu schauen oder Nachforschungen anzustellen.

Besonders bewährt hat es sich, wenn Patienten die Sitzungen elektronisch aufzeichnen und sich im Anschluss erneut anhören. Inhalte, die vorher vielleicht aufgrund der starken Emotionalität weniger rational nachvollzogen wurden, können so erneut reflektiert werden. Zudem werden vielleicht Themen relevant, die in der Stunde selbst, nicht zum Tragen kamen. Sie können uns auf das Gesagte hinweisen, Nachfragen stellen und ein Protokoll anfertigen, um nach der Therapie ein Nachschlagewerk zu haben. 

Neben der Therapiemotivation ist zudem Motivation zur Veränderung erforderlich. Das heißt, dass nur der Transfer der Therapieergebnisse in den Alltag, eine reelle Veränderung mit sich bringt. Dies kann mit Aufwand und unangenehmen Zuständen verbunden sein, die erst außerhalb der Sitzung auftreten. Wir unterstützen Sie auf diesem Weg.

Uns ist Eigenverantwortung wichtig. Auf der individuellen Ebene, auf der Psychotherapie ansetzt, sehen wir hierin den einzigen Weg, Ihre Beschwerden zu lindern und abzulegen. Eine Therapie verändert (leider?) nicht das Verhalten Ihres Chefs oder Ihres Nachbarn, gibt Ihnen aber das Zeug an die Hand, was Sie zur Stärkung und selbstständigen Bewältigung Ihres Problems benötigen. Sie schaffen das!

Zusammenarbeit

Ein wichtiger Wirkfaktor für Psychotherapie ist die Arbeitsbeziehung. Sie sollten sich mit Ihrem Therapeuten so wohlfühlen, dass die Beziehung Irritationen, Frustrationen und Uneinigkeit erträgt. Dies ermöglicht Platz für neue Erfahrungen, die ein Umlernen erleichtern. Die Arbeitsbeziehung wächst mit der Zeit. Sollten Sie sich jedoch sehr unwohl fühlen, sprechen Sie uns darauf an, damit ein therapeutisch wertvoller Prozess sichergestellt werden kann.

Abstinenz

Drogenkonsum kann bereits ein primäres Problem darstellen, warum Menschen Psychotherapie aufsuchen. Häufig tritt der Konsum von Drogen auch als ungünstiger Lösungsversuch auf. In beiden Fällen ist Abstinenz bis zur spätestens zehnten Sitzung erforderlich. Dazu zählen auch Alkohol und Cannabis.

Suizidalität

Ambulante Psychotherapie ist nur möglich, wenn Sie sich selbst und anderen keinen Schaden zufügen. Dies wird am Anfang der Therapie abgeklärt. Sollte eine Eigen- oder Fremdgefährdung nicht ausgeschlossen werden können, helfen wir Ihnen gerne dabei die nächsten Schritte in eine stationäre Einrichtung zu gehen. Sollten Sie unter drängenden Suizidgedanken leiden, holen Sie sich Hilfe. Sie sind nicht allein und auch wenn es jetzt unvorstellbar scheint, schenken Sie anderen bitte Ihr Vertrauen Ihnen aus dieser Lage heraus zu helfen. 

Risiken und Nebenwirkungen

Eine Psychotherapie kann unerwünschte und/oder weitreichende Wirkungen entfalten, über die Sie zwar zu Behandlungsbeginn aufgeklärt werden, die jedoch nie in Gänze absehbar sind. Typischerweise kommt es zur Problemaktivierung, wenn die Umstände, die zur Therapie geführt haben, erneut emotional erlebt werden. Dies kann bedeuten, dass Therapie nicht als leicht oder angenehm erlebt wird, ist jedoch für den Behandlungsverlauf und -erfolg meist notwendig. In der Folge wird das Problem geklärt, was bedeutet, das ursächliche Umstände erläutert und gemeinsam nachvollzogen werden. Im ungünstigen Fall sehen Sie dann, was Ihr Problem ist, woher es kommt und wie man es lösen könnte, sind jedoch aus irgendeinem Grund nicht in der Lage oder Willens die notwendigen Schritte zu gehen.

Darüber hinaus könnte eine Therapieentwicklung eine veränderte Beziehungsführung zu anderen Personen als Folge haben. Sie könnten beispielsweise den langfristigen Nutzen in einem bestimmten Verhalten sehen, was anderen jedoch missfällt, wodurch es zu Konflikten kommen kann. Andererseits sind vielleicht auch neue Beziehung möglich, die vorher schwierig erschienen.

Im Falle von einer temporären Verschlechterung kann es zum (Wieder-)Auftreten von Ruhewünschen und Suizidgedanken kommen. Die Absprachefähigkeit, sich in solchen Situationen bei Ihrem Therapeuten zu melden, ist eine Therapievoraussetzung. Meist kann eine gute Lösung gefunden werden. Akute Suizidalität kann zur Einweisung in ein psychiatrisches Krankenhaus führen.

Sollten Sie aktuell und/oder in der Vergangenheit von einer Suchtstörung betroffen sein, kann Therapie das Craving (Verlangen) nach der Droge verstärken und Sie könnten sich entscheiden, das Suchtmittel weiter oder wieder zu konsumieren. Suchtmittelkonsum stellt eine schlechte Prognose für einen positiven Therapieverlauf dar und kann zur Unterbrechung oder zum Abbruch der Therapie führen.

Sollten Sie unter einer psychotischen Störung leiden (Schizophrenie, Wahn, Psychose) kann es zum Wiederauftreten oder einer Verschlechterung der entsprechenden Symptome kommen. Das hat meist die Einnahme oder Anpassung entsprechender Medikamente zur Folge. Über eine Veränderung muss Ihr Therapeut informiert werden, um weitere Schritte zu planen.

Sozialmedizinische Implikationen

Wenn eine Psychotherapie beginnt, wird dies der Krankenkasse mitgeteilt. Dabei wird auch die Diagnose übermittelt. Eine psychotherapeutische Behandlung kann daher sozialmedizinische Konsequenzen mit sich bringen. So müssen Sie zum Beispiel beim Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) ihre Krankengeschichte offenlegen. Abhängig vom Versicherer, kann in der Folge der Versicherungsvertrag ablehnt oder nur mit bestimmten Klauseln abgeschlossen werden. Kümmern Sie sich deshalb frühzeitig um eine BU.

Darüber hinaus können psychische Diagnosen bei der Verbeamtung eine Rolle spielen, stellen jedoch kein Ausschlusskriterium dar. Es kommt darauf an, ob eine Störung einmalig auftrat und vollständig remittiert (geheilt) ist oder ob sie episodisch oder chronisch wiederauftritt. Wir schreiben Ihnen bei Bedarf gerne eine kurze Epikrise (eine knappe Abschlussbefundung), die Sie beispielsweise beim Amtsarzt vorlegen können, damit dieser den Behandlungsgrund und -verlauf nachvollziehen kann.