top of page

#17 Warum wir öfter loslassen sollten

  • Steffen Engelbrecht
  • vor 22 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit

Abends im Bett fangen die Gedanken an zu kreisen. Wir gehen die Fehler des Tages durch, sorgen uns um die Zukunft oder grübeln über Dinge nach, die wir ohnehin nicht mehr ändern können. In der Psychologie nennen wir das Rumination/Grübeln; ein endloses Gedankenkarussell, das uns nicht nur den Schlaf raubt, sondern auf Dauer auch unsere psychische Gesundheit belasten kann.

Ein aktueller Beitrag von Quarks (Studio Q) beleuchtet die wissenschaftlichen Hintergründe dieses Phänomens und zeigt spannende Wege auf, wie wir diesen Kreislauf durchbrechen können.



Verantwortlich für das Grübeln ist unter anderem das sogenannte Default Mode Network (DMN). Das ist ein Netzwerk in unserem Gehirn, das immer dann aktiv wird, wenn wir im „Leerlauf“ sind, zum Beispiel unter der Dusche oder beim Warten auf den Bus.

Einerseits ist dieses Netzwerk wichtig für unsere Kreativität. Andererseits ist es aber auch eng mit Selbstbeobachtung und Reflexion verknüpft. Wenn das DMN überaktiv ist, kippt die Reflexion ins Grübeln. Wir hängen in der Vergangenheit fest oder bewerten uns selbst ständig kritisch.


Um dieses Netzwerk zur Ruhe zu bringen, braucht unser Gehirn ab und zu einen „Reset“. Die Wissenschaft spricht hier von Ego Quieting. Es geht darum, das kontrollierte, selbstoptimierte Alltags-Ich für einen Moment zum Schweigen zu bringen.

Wie gelingt das?

  1. Rausch ohne Drogen: Damit ist kein Alkohol gemeint, sondern ein physiologischer Ausnahmezustand. Wenn wir beim Tanzen (z. B. Ecstatic Dance), im Fußballstadion oder bei einem Konzert völlig in der Menge aufgehen, schüttet das Gehirn einen Mix aus Dopamin, Serotonin und Oxytocin aus. Diese Botenstoffe dämpfen die Kontrollzentren im präfrontalen Cortex.

  2. Flow-Zustände: Flow erleben wir, wenn wir in einer Tätigkeit voll und ganz aufgehen – sei es beim Sport, beim Musizieren, Malen oder sogar beim Gaming. In diesen Momenten sind wir so konzentriert auf das „Hier und Jetzt“, dass für Grübeleien schlicht kein Platz ist.

  3. Gemeinsame Synchronität: Etwas gemeinsam mit anderen zu tun – im Chor singen oder gemeinsam Sport treiben – stärkt das Gefühl der Zugehörigkeit und hilft dem Gehirn, den Schalter von „Selbstfokus“ auf „Gemeinschaft“ umzulegen.


Solche „außeralltäglichen“ Erlebnisse sind keine reine Freizeitgestaltung, sondern Psychohygiene. Wenn wir regelmäßig Momente erleben, in denen wir die Kontrolle abgeben und ganz im Moment sind, trainieren wir unser Gehirn darin, den „Grübel-Schalter“ effektiver umzulegen. Langfristig macht uns das robuster gegenüber Stress und Ängsten.

Suchen Sie sich eine Aktivität, bei der Sie die Zeit vergessen. Es muss nicht die wilde Party sein. Vielleicht ist es das Töpfern, das Klettern/Bouldern oder das bewusste Musikhören ohne Smartphone. Erlauben Sie sich, ab und zu „unvernünftig“ zu sein und das Kontroll-Ich in den Feierabend zu schicken.

 
 
 

Kommentare


Beitrag: Blog2_Post
bottom of page